Derzeit herrscht Ruhe vor dem (Herbst)-Sturm, sogar der Euro erholt sich gegenüber dem Dollar etwas. Die EU-Funktionäre verbreiten Optimismus und erwecken den Anschein, die Krise sei vorbei. Dabei wurde de facto gar nichts gelöst, außer Bankenschulden zu Staatsschulden umgemünzt. Für die Steuerzahler wäre es weit billiger gekommen, wenn ein Teil des überdimensionierten Bankenapparats in den Konkurs geschickt worden wäre und man nur die Sparguthaben und Kontobestände gerettet hätte (Zertifikate-Käufer hätte dagegen ihre Verluste selbst tragen müssen (was auch erzieherische Effekte gehabt hätte), die Börse ist schließlich kein Kindergarten, wo der Staat dann für sämtliche Verluste aus riskanten Anlagen aufkommen muss).
Gelöst wurde bisher gar nichts
Griechenland, Spanien, Portugal (und Irland) können nach wie vor wegen des Euros nicht abwerten und bleiben daher auf ihren Exportproblemen sitzen. Auch als Urlaubsland sind sie ja längst zu teuer, wie jeder feststellen wird, der dort seinen Urlaub außerhalb eines Pauschalarrangements verbringt. Daher werden die Spannungen im Euroraum weiter ansteigen und bei nächster Gelegenheit eruptiv wie ein Vulkan wieder zum Ausbruch kommen. An einem Austritt dieser Länder aus der Eurozone wird längerfristig kein Weg vorbeiführen, es sei denn sie werden von den anderen Ländern wie Deutschland auf Gedeih und Verderb mit hunderten Milliarden weiter unterstützt. Dies wird sich aber die politische Elite in Deutschland & Co. nicht leisten können, sonst könnte die Lage auch dort explosiv werden. Also wird irgendwann der Schnitt gemacht werden müssen, je früher desto billiger, und am besten hätte man ihn wohl schon im Mai gemacht.
USA machen weiter Schulden und ändern wird sich nichts
Auch aus den USA sind keine Signale erkennbar, die Budgetprobleme in den Griff zu bekommen. Vielmehr wird man infolge der wieder aufkeimenden Rezessionsängste weiter Deficit Spending betreiben. Damit wird sich auch der Abstieg des Dollars weiter beschleunigen. Ob der Euro nun im Vergleich zum Doller 10% aufwertet, ist dabei von wenig Belang, mit beiden Währungen ist nicht mehr viel Staat zu machen und über kurz oder lang sind beide (gleich) tot.
Die Bruchstellen sind noch immer vorhanden, meint der ehemalige IWF-Chefökonom Raghuram Rajan, der bereits 2005 vor der Krise warnte und rechnet mit weiteren Problemen, womit er wohl rechtbehalten wird ( http://www.ftd.de/ ).
Rohstoffe werden selektiv teurer werden
Die Folge wird sein, dass die Rohstoffpreise weiter anziehen werden. Zuvor kann es noch zu kleineren Rückgängen kommen, aus Schreck über die schlechte Wirtschaftsentwicklung. Die Flucht ins Gold wird wohl weiter anhalten, die derzeitige Korrektur ist kein Gegenbeweis. Auch beim Goldpreisanstieg Ende der 70er/Anfang 80er Jahre gab es deutliche Rücksetzer, ehe der Preis durch das Dach ging.
Aktien bleiben heikel, Stagflationstendenzen sind nicht die Ingredienzien, aus denen Börsenträume gemacht werden. Unternehmen mit starker Marktposition und Preisfestsetzungsmacht sind allerdings meist ein brauchbarer Hedge gegen Inflation, ihre Namen sind kein Geheimnis: Nestle, Coca Cola und Co. sind hier die immer wiederkehrenden Kandidaten.
Die großen Verlierer werden die Anleihehalter und Sparguthaben-Besitzer sein und alle indirekt damit verbundenen Anlagen wie Lebensversicherungen, Pensionen und dergleichen. Dieses Schema ist historisch gesehen immer dasselbe: das sicherste Mittel, langfristig real möglichst viel zu verlieren, sind unverändert Anleihen.
Ähnlich sehen das auch die Investmentgurus, hier gibt es wenig Neues:
Jimmy Rogers empfiehlt unverändert den Verkauf von Anleihen und stattdessen den Kauf von agrarischen Rohstoffen, speziell Zucker und Reis, sowie Silber (er erwartet bei Silber höhere Kursanstiege als bei Gold, aber Gold ist auch gut).
Was agrarische Rohstoffe anbelangt, muss der Anleger unter wenigen Fonds, die das gezielt anbieten, auswählen (in Österreich wird dieses Gebiet von den Fondsanbietern ohnehin so gut wie nicht bearbeitet). Ein Problem bei Rohstoffinvestments sind die Rollover-Verluste. Bei Rohstoffzertifikaten ist große Vorsicht geboten, in der Vergangenheit konnte man oft steigende Rohstoffpreise und fallende Zertifikate beobachten.
Marc Faber rät ebenfalls eher zu Aktien als Anleihen, aber auch zu diversifizierten Immobilien. Aufgrund der geopolitischen Spannungen durch den Aufstieg Chinas hält er auch ein Szenario mit Krieg für denkbar ( http://www.welt.de/ ). Von Papierwährungen hält er ohnehin nichts.
Goldexperte Bruno Bandulet hat vor ein paar Tagen ein neues Buch herausgebracht mit dem Titel: Die letzten Jahre des Euro – Ein Bericht über das Geld, das die Deutschen nicht wollten. Das Buch behandelt die Hintergründe, die zum Euro führten, das EU-Machgefüge und dessen Ideologie und einen Ausblick, der mit dem Euro-Rettungsschirm startet. Mit Spannung darf man auch warten, was die Klage der Professoren beim Bundesverfassungsgericht gegen den Euro-Rettungsschirm bringt! Ob wie sie wieder auf arrogante Weise wie seinerzeit bei der Klage gegen die Euroeinführung abgespeist werden?
Anders dagegen sehen die Ökonomen Gary Shilling und David Rosenberg die Welt: Aufgrund der kommenden Rezession fallen ihrer Meinung die US-Aktien um 50% und man sollte US-Staatsanleihen kaufen, weil wegen der Rezession die Zinsen noch weiter fallen (wobei hier die Frage ist, ob nicht wieder mal gute Stimmung für das wertlose Dollar-Spielgeld gemacht werden soll). Europa sehen beide extrem pessimistisch. Und wenn gar Robert Prechter, Elliot-Wave-Spezialist, recht hat (bisher soll er erst einmal falsch gelegen haben), dann bricht die Weltwirtschaft in den nächsten sechs Jahren überhaupt komplett zusammen und Aktien sind für Jahrzehnte tot ( http://orf.at/ ).
Jedenfalls sollte man die unterschiedlichen Meinungen bei seinen Investments berücksichtigen, in Wirklichkeit weiß nämlich keiner der Investmentspezialisten, wo es wirklich hingeht, kann doch nicht einmal die Frage beantwortet werden, ob wir jetzt vor einer Deflation oder Inflation stehen.
(cr)









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